Deutsche Pflegeleistungen

Hausnotruf · § 40 SGB XI

Hausnotruf: Sicherheit auf Knopfdruck – mit Zuschuss der Pflegekasse

Hausnotruf-System monatlich von der Pflegekasse mitfinanziert. So funktionieren Geräte, Anbieter und Antrag — und wann sich die Anschaffung wirklich lohnt.

Jenny

Jenny

Redaktion · Häusliche Pflege & Alltag

Geprüft: 12. Mai 2026

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Ein Hausnotruf-System verbindet die pflege­bedürftige Person per Knopfdruck mit einer 24-Stunden-Zentrale. Das Gerät ist seit Jahren das meist­verbreitete technische Pflege­hilfsmittel in Deutschland – und die Pflege­versicherung beteiligt sich monatlich an den Kosten, sobald ein Pflegegrad anerkannt ist.

Wie funktioniert ein Hausnotruf?

Das Basis-System besteht aus zwei Komponenten:

  • Basis­station – ein Gerät mit Lautsprecher, Mikrofon und Mobil­funk- oder Festnetz­anbindung, in der Wohnung montiert.
  • Notruf­knopf – als Arm­band oder Halskette, immer am Körper getragen, wasser­dicht für Dusche und Bad.

Im Notfall (Sturz, Schwindel, Schmerzen) wird der Knopf gedrückt. Eine 24-Stunden-Zentrale meldet sich über die Basis­station, klärt die Situation und verständigt – je nach Lage – Nachbarn, Familie, Pflege­dienst oder Rettungs­dienst.

Erweiterungen

  • Sturzsensor: automatische Auslösung des Notrufs bei Sturzerkennung – wichtig, wenn die Person nach einem Sturz bewusstlos ist und den Knopf nicht selbst drücken kann.
  • Unterwegs-Notruf (Mobil-Notruf): GPS-fähige Geräte, die auch außerhalb der Wohnung funktionieren (Spaziergang, Garten, Supermarkt).
  • Bewegungs­sensor: erkennt fehlende Aktivität in der Wohnung – sinnvoll bei fortgeschrittener Demenz.

Wer trägt welche Kosten?

Die Pflegekasse beteiligt sich pauschal nach Vorgaben des GKV-Spitzenverbands. Die Höhe ist nicht im BMG-Übersichts-PDF aufgeführt, sondern im Pflege­hilfsmittel­verzeichnis (Produkt­gruppe 52). Typische Konditionen:

KomponenteÜbernommen durch Pflegekasse
Einmal­anschluss­gebühr (Installation)volle Übernahme
Monatliche Grund­gebühr (Basis­leistung)volle Übernahme
Zusatz­leistungen (Sturzsensor, GPS)Eigenanteil
Hilfeleistungen vor Ort durch Anbieterabhängig vom Vertrag

Die genaue Pauschale variiert nach Anbieter; aktuell liegt die monatliche Übernahme im Bereich von rund 25–28 €. Lassen Sie sich vor Vertrags­abschluss schriftlich bestätigen, welcher Anteil mit der Pflegekasse direkt abgerechnet wird und welche Kosten Sie selbst tragen.

Voraussetzungen für den Zuschuss

  • Anerkannter Pflegegrad (1 bis 5).
  • Allein­leben oder regel­mäßiger Aufenthalt allein in der Wohnung (z. B. wenn Angehörige berufstätig sind).
  • Notruf nicht anderweitig schon zuverlässig möglich (z. B. ständige Anwesenheit einer Betreuungs­person).

Die Pflegekasse prüft den Bedarf in der Regel über das MD-Gutachten oder die Pflege­beratung.

So beantragen Sie den Hausnotruf

  1. Anbieter wählen – große, etablierte Anbieter sind Johanniter, Malteser, DRK, ASB, Caritas sowie regionale Spezialisten.
  2. Angebot einholen – mit klarer Aufschlüsselung der Pflege­kassen-erstattungs­fähigen und der Zusatz­leistungen.
  3. Antrag bei der Pflegekasse mit dem Angebot und Hinweis auf den Pflegegrad.
  4. Bewilligung abwarten (typisch 1–2 Wochen).
  5. Installation vor Ort durch den Anbieter.
  6. Direkt­abrechnung: Der Anbieter rechnet die Pflege­kassen-Anteile direkt mit der Kasse ab.

Worauf achten beim Anbieter?

  • 24/7-Notruf­zentrale in Deutschland (Sprache, Datenschutz).
  • Reaktionszeit der Zentrale (Branchen­standard: max. 30 Sekunden).
  • Kompatibilität mit Festnetz oder Mobilfunk – wichtig bei VoIP-Anschluss oder bei ländlichen Empfangs­bereichen.
  • Akku­laufzeit und wasser­dichte Schutz­klasse (IP67 oder besser).
  • Vertrags­dauer und Kündigungs­frist – kürzer ist besser, falls sich Bedarfe ändern.
  • Hilfe vor Ort: Manche Anbieter haben einen eigenen Hilfsdienst, andere alarmieren ausschließlich Drittstellen.

Häufige Fragen

Funktioniert der Hausnotruf bei Stromausfall?

Die Basis­station hat in der Regel einen Pufferakku für mehrere Stunden. Das mobile Notruf-Armband hat einen eigenen Akku (Laufzeit 1–3 Tage je nach Modell). Bei längerem Stromausfall sind die Möglichkeiten eingeschränkt – informieren Sie sich beim Anbieter über die genaue Laufzeit.

Muss ich den Knopf wirklich am Körper tragen?

Ja. Ein Notruf-Armband, das auf dem Nacht­tisch liegt, kann im Notfall nicht ausgelöst werden. Tragen Sie es immer – Dusche, Schlaf, Garten – wasserfest sind alle gängigen Modelle.

Hilft der Hausnotruf bei Demenz?

Bei beginnender Demenz oft ja. Bei fortgeschrittener Demenz kann die Person den Knopf nicht mehr bewusst bedienen – hier sind Sturzsensor und Bewegungs­sensor­technik sinnvoll. Lassen Sie sich vom Anbieter beraten, welche Lösung passt.


Letzte redaktionelle Prüfung: 12. Mai 2026 · Veröffentlicht: 19. März 2026. Die Angaben dienen der Orientierung und ersetzen keine individuelle Beratung durch Pflegekasse, Pflegeberatung oder Rechtsanwalt.